Die neuen Aufgaben des Arztes / der Ärztin


Der Arztberuf hat in letzter Zeit einige bedeutende Komponenten dazu gewonnen. Dazu zählt eine verstärkte betriebswirtschaftliche Ausrichtung, eine erhöhte Kommunikationskompetenz und vermehrt die Fähigkeit, sich selber zu vermarkten sowie eine hohe Führungskompetenz. Bis heute werden diese Kompetenzen in der Ausbildung komplett vernachlässigt.

Betriebswirtschaftliche Kompetenz:
Wissenschaft und Medizintechnik erlauben immer bessere, oft teurere Behandlungsmöglichkeiten, welche teilweise durch öffentliche Mittel oder privat nicht mehr zu bezahlen sind.
Aufgrund vorgegebener Budgets muss der Arzt eine Kosten-Nutzen-Analyse der Krankheit, bzw. Gesundheit durchführen. Der innerhalb seines Budgets erzielbare Gesundheitsnutzen soll maximiert werden, dabei werden medizinische Maßnahmen zusätzlich rationiert.
Der Mediziner muss also zunehmend betriebswirtschaftlich denken, darf dabei das Wohl der Patienten aber nicht aus den Augen verlieren. Ärzte sind mehr denn je gezwungen, betriebswirtschaftlichen Kategorien in die tägliche Arbeit einfließen zu lassen.
Insbesondere in Kliniken wirkt sich die Ökonomisierung des Gesundheitssystems stark aus. Hier wird eine Optimierung des Betriebsergebnisses angestrebt wie in einem gewerblichen Dienstleistungsbetrieb. Die Verbesserung des Ergebnisses läßt sich im Kassenbereich nur geringfügig mit Preiserhöhungen oder besserer Auslastung erreichen, viel mehr Potential steckt in der Reduktion der eigenen Kosten und der Steigerung der Effektivität.
Hier ist eine der wichtigsten neuen Aufgaben leitender Ärzte entstanden. Die Optimierung der Arbeitsprozesse innerhalb des Krankenhauses stellt eine bedeutende Herausforderung dar. Nun sind Ärzte gefordert, Ihre Abteilungen wie Profitcenter zu führen, d.h. eine möglichst gute Leistung zu fest vorgegebenen Preisen (Fallpauschalen) mit möglichst geringen Kosten zu erbringen. Der Arzt muss die Auslastung verschiedenster medizintechnischen Geräte gewährleisten und die Prozesse so optimieren, dass möglichst geringe Personalkosten anfallen.
 
Kommunikationskompetenz:
Attraktiver für Privatversicherte zu werden, ist eine weitere Strategie, die Ärzte  wählen können. Dies bedeutet, dass der Arzt sich zunehmend um eine intensive Beziehung zu dem jeweiligen Patienten über die aktuelle Behandlung hinaus kümmern muss. Die Kommunikation zum potentiellen Patienten muss aufgebaut und gehalten werden.
Die Kommunikation zu möglichen Verbundpartnern (z.B. Pflegeeinrichtungen, Ärzten oder Krankenhäusern) wird wichtiger. So sind Kooperationen von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten bei der Erbringung ambulanter Leistungen sinnvoll. Der Arzt entwickelt eine strategische Ausrichtung und organisiert die jeweiligen Maßnahmen.
 
Marketing:
Das Marketing der eigenen Leistung und Kompetenz gehört in Zukunft mehr denn je zum Arztberuf. Immer mehr Leistungen werden aus dem gesetzlichen Leistungskatalog herausgenommen und müssen vom Patienten selber gezahlt werden. Privatpatienten müssen dazu angeworben werden. Daher wird vom Arzt in Zukunft vermehrt Eigenmarketing verlangt.
Zusätzlich werden die Krankenkassen durch die Möglichkeit direkter Verträge zu einem poteniellen Kunden, der umworben werden muss. Auch hier gilt es, die eigenen Leistungen gut zu verkaufen.
 
Führungskompetenz:
Als Arzt in leitender Funktion kommt zu dem vorgenannten noch die Führungskompetenz hinzu. Die Führung von Mitarbeitern und der mit der Führungsaufgabe verbundene Verwaltungsaufwand fordert einen Großteil der Zeit, medizinische Tätigkeiten treten zunehmend in den Hintergrund.
Das berufliche Selbstverständnis leidet oftmals und der Arzt kommt seinen Führungsaufgaben nur ungern nach.
Das Führen von Mitarbeitergesprächen, das Setzen und Kontrollieren von Zielen, die Weiterbildung des Personals und die Motivation desselben sind Fertigkeiten, die viele Ärzte erst noch entwickeln müsen.
Insbesondere in der Zeit des Nachwuchsmangels steht die Führungskompetenz von Chefärzten auf dem Prüfstand. Nur die Kliniken, die im Bereich Personalführung und Weiterbildung punkten, sind als Arbeitgeber attraktiv genug für junge Ärzte und Ärztinnen.
 
Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass sich der Arztberuf in den letzten Jahren stark verändert hat. Insbesondere in leitenden Funktionen werden Kompetenzen verlangt, die in der Ausbildung wenig bis gar nicht vermittelt werden.