Ärzte / Ärztinnen brauchen Entwicklung - Wann macht ein Stellenwechsel Sinn?
Sind in Ihrem Krankenhaus alle Arztstellen besetzt? Wie viele Dienste absolvieren Sie im Monat? Wie viele Stunden verbringen Sie mit Kodierungsarbeiten? Wie viel Zeit kostet das Schreiben von Arztbriefen? Wie kollegial verhalten sich die leitenden Ärzte? Geht es mit Ihrer Weiterbildung voran oder stockt die Laufbahn gerade ein wenig?
Diese und ähnliche Fragen beschäftigen Krankenhausärzte in zunehmendem Maße. Trotz eines Überangebots an Patienten ist Ihr Arbeitgeber vielleicht sogar gezwungen, Personalreduzierungen vorzunehmen.
Bevor Sie aber über einen Stellenwechsel oder eine neue Herausforderung innerhalb Ihres Hauses nachdenken, sollten Sie einmal die eigene Lebenssituation analysieren und nächste Ziele definieren.
Als Personalberater bekommen wir häufig die Frage gestellt, ob ein Stellenwechsel überhaupt Sinn macht. Seriöse Personalberater werden Ihnen durch intensive Gespräche einen Überblick über die Stellenanforderungen, die Weiterbildungsmöglichkeiten und das Haus geben und unterstützen Sie dabei, die richtige Entscheidung zu treffen.
Hier finden Sie einige Denkanstöße, die vor einer Entscheidung hilfreich sein könnten.
Ist die neue Stelle mit einer Laufbahnverbesserung, also einer besseren Facharztqualifikation und gestiegener Verantwortung verbunden?
Folgende Punkte sollten vor dem Wechsel berücksichtigt werden:
- Welches Ziel verfolgen Sie mit einem Stellenwechsel? Wollen Sie die Rahmenbedingungen verbessern, z.B. Ihr Gehalt verbessern oder in eine andere Region umziehen? Ziehen Sie Ihre Motivation aus der neuen Aufgabe? Wie wichtig sind Ansehen und Prestige?
- Entspricht die neue Stelle Ihren Berufszielen? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, welche Facharztbezeichnung, welche Aufgabe oder welcher Kliniktyp für Sie interessant sein könnten?
- Ist der neue, erweiterte Verantwortungsbereich eine Option für Ihre weitere berufliche Laufbahn? Beispielsweise gilt es abzuwägen, ob eine Position als leitender Arzt mit den damit verbundenen Anforderungen überhaupt wünschenswert ist. Möchten Sie mehr Zeit mit Mitarbeiterführung, Besprechungen und Berufspolitik verbringen oder lieber Ihre Operationsliste weiter ausbauen, Fachprobleme lösen, sich um Patienten kümmern? Der Aufwand, den Mitarbeiter und Administration mit sich bringen, wird oft unterschätzt.
- Würden Sie gerne wissenschaftlich arbeiten oder an Studien teilnehmen?
- In welchen Punkten zeigt sich Ihr künftiger Arbeitgeber besser aufgestellt als Ihr jetziger:
Besseres Arbeitsklima
Bessere Ausbildung
Bessere Chefarzt-Struktur
Bessere Verdienstmöglichkeiten
Zufriedenere Patienten
Bessere Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten
Bessere apparative Ausstattung
Strategisch bessere Ausrichtung
Gute Personalentwicklung
- Welche Rolle spielt für Sie die Größe des Krankenhauses? Waren die Kollegen vor einigen Jahren vor allem an Unikliniken interessiert, so werden heute zunehmend auch kleinere Häuser gewählt. Diese bieten oftmals größere Kollegialität und mehr Möglichkeiten, schon früh spezialisierte Tätigkeiten verrichten zu dürfen. Häufig sind auch die Abläufe besser organisiert und die Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen intensiver.
- Welche Ziele setzen Sie beim Thema Work-Life-Balance? Eine verantwortungsvollere Position mit mehr Gehalt erfordert meist auch einen höheren Arbeitseinsatz. Wie steht die Familie zu einem Wohnortwechsel, zu mehr Arbeitsstunden und häufiger Abwesenheit?
- Wechseln Sie aus purer Unzufriedenheit mit Ihrem jetzigen Arbeitgeber? Gibt es Probleme mit leitenden Ärzten oder Kollegen? Wie gut klickt es zwischen Pflege und Ärzten? Hier ist genau zu prüfen, wo das Problem wirklich liegt und ob ein Wechsel des Arbeitsplatzes dieses tatsächlich lösen kann. Der Fortgang aus der alten Umgebung kann das Problem zunächst vielleicht lösen, aber es gibt immer auch einen eigenen Anteil an der Situation. Vielleicht können Sie auch durch eine Veränderung Ihres Verhaltens eine Verbesserung herbeiführen.
Stellt die angebotene Stelle keine offensichtliche Verbesserung dar, sondern eine Seitwärtsbewegung, so sind zusätzlich folgende Überlegungen wichtig:
- Bieten sich in dem neuen Haus langfristige Aufstiegsmöglichkeiten? Vielleicht ist auf Ihrer jetzigen Stelle kein Aufstieg möglich, z.B. weil die Führungsmannschaft noch relativ jung ist. Dann ist ein Stellenwechsel für zukünftige Aufstiegschancen interessant. Fragen Sie hier genau nach, welche Chancen sich in Zukunft für Sie ergeben könnten.
- Bietet die neue Position Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten fachlicher oder methodischer Art? So können Sie sich fachlich und persönlich weiterentwickeln und Ihre Fähigkeiten für die Zukunft breiter aufstellen.
- Der Stellenwechsel in der Horizontalen hat Vorteile für Ihren zukünftigen Marktwert. Quereinsteiger und Personen mit unterschiedlichen Erfahrungen werden von Personalberatern und Unternehmen oftmals sehr geschätzt, da sie als flexibel, offen und anpassungsfähig gelten. Sie bringen unterschiedlichste Erfahrungen mit und finden leichter kreative Lösungen für anstehende Probleme.
Bringt Ihnen die neue Stelle eine Verbesserung der Work-Life-Balance?
- Vor jedem Aufgaben- und Verantwortungswechsel stehen somit eine gründliche Analyse der momentanen Arbeits- und Lebenssituation und die Definition der persönlichen Ziele.
Prüfen Sie bei Stellenangeboten, ob diese Ihren Zielen entsprechen und überlassen Sie Ihre berufliche Entwicklung nicht dem Zufall.
Seriöse Personalberater werden Ihnen durch intensive Gespräche einen Überblick über die Stellenanforderungen, die Branche und das Unternehmen geben und unterstützen Sie dabei, die richtige Entscheidung zu treffen.