HR im Wandel

HR steht vor großen Herausforderungen, die ein ganz neues Selbstverständnis der Personaler nötig macht. Nicht nur die demografische Entwicklung, auch der gesellschaftliche Wandel stellen die bisherige Personalarbeit komplett auf den Kopf.

In den kommenden Jahren werden durch die demografische Entwicklung Millionen von Arbeitsplätzen unbesetzt bleiben. Es werden zu wenig Fachkräfte und Spezialisten, aber auch zu wenig Führungskräfte verfügbar sein. Der grundlegende Wandel der Gesellschaft führt dazu, dass sich Arbeit in den nächsten Jahren völlig verändern wird. Beginnend mit dem Trend Industrie 4.0 wird digitalisiert, was digitalisiert werden kann. Die Kommunikations- und Arbeitsstrukturen werden mit dieser Entwicklung grundlegend verändert. War es früher noch notwendig, dass ein Projektteam sich zum Arbeiten regelmäßig traf, so ist heute schon Raum und Zeit immer unwichtiger. Globalisierung, technologischer Fortschritt, zunehmende Vernetzung, die Entwicklung der Informatik: die Komplexität der Gesellschaft nimmt zu und muss gemanagt werden.

Erfolgreiche Personalarbeit wird sich grundlegend wandeln müssen:

  • Stellenanzeigen werden überflüssig, denn es gibt kaum Menschen, die einen Job suchen müssen. Im Gegenteil: Die qualifizierten Arbeitnehmer werden mit Anfragen von Headhuntern überschwemmt.
  • HR wird keine Bewerber mehr auswählen. Die Menschen suchen sich die Unternehmen aus, für die sie arbeiten möchten.
  • Stellenprofile / Stellenbeschreibungen wird es nicht mehr geben, denn die Unternehmen werden die Mitarbeiter nehmen müssen, die sie bekommen können. Und auf diese werden sie die Stellenprofile und Abteilungsstrukturen anpassen.
  • Die Lebensgestaltung der Menschen wird sich verändern: Kaum jemand wird über lange Zeit im selben Unternehmen arbeiten, die Flexibilität wird höher.
  • Neue Arbeitszeitmodelle müssen geschaffen werden.  Hierbei geht es nicht nur um die tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit, auch die jährliche Arbeitszeit wird sich ändern, ebenso wie die Lebensarbeitszeit. Die Unternehmen werden eine größere Flexibilität beweisen müssen.Stichworte sind hier beispielsweise: Teilzeitarbeit, Job-Sharing, Sabbaticals, Elternzeit, flexible Jahresarbeitszeit, bezahlte Zeiten für Aus- und Weiterbildungen, begrenzte Verträge, freiberufliche Arbeit, Pflegezeiten, etc.
  • Mobile Formen der Arbeit müssen unterstützt werden. Das home office wird zum mobile office. Dies bedeutet eine andere materielle Ausstattung der Mitarbeiter und erweiterte Zugriffe auf Datennetzwerke.
  • Wechselmotivierten Kandidaten müssen kreative Angebote unterbreitet werden. Hierbei spielt nicht nur das Gehalt eine Rolle, sondern insbesondere Angebote, die die eigene Karrieregestaltung betreffen. Top Kandidaten bleiben 3-4 Jahre in einem Unternehmen und genau für diese Zeit sollte HR ein sinnvolles Angebot machen. Dass gute Mitarbeiter Jahrzehnte für ein Unternehmen arbeiten, wird Träumerei.
  • Mitarbeiter müssen immer wieder neu aus- und weitergebildet werden, und zwar in einem viel höheren Ausmaß als bisher. Wir leben in einer vernetzten Wissensgesellschaft, die ständig und immer schneller Wandel forciert.
  • Die Karrieregestaltung der Mitarbeiter muss aktiv unterstützt werden, damit diese Mitarbeiter im Unternehmen bleiben oder (viel wahrscheinlicher) nach einiger Zeit extern wieder zurückkehren. Das bedeutet, dass HR aktiv andere Unternehmen miteinschließen sollte, Netzwerke nutzen sollte, um Karrieren mithilfe externer Möglichkeiten aufzubauen. Grundlegend wird es, den Weggang des Mitarbeiters aktiv mitzugestalten, denn nur so kann man zukünftig wieder auf ihn zurückgreifen.
  • Die Struktur des Unternehmens muss an die Menschen angepasst werden, „fluide“ Strukturen sind zu schaffen, d.h. Aufgaben und Verantwortlichkeiten werden permanent zwischen Menschen und Abteilungen verschoben, was wiederum ständige Weiterbildung erfordert.
  • Netzwerke mit externen Partnern, ehemaligen Mitarbeitern und Freiberuflern müssen gehalten werden, da ein reger Austausch der Mitarbeiter stattfinden wird.
  • Auch die Rolle der Personalberater wird eine andere. Sie werben nicht mehr nur ab, sie werden Partner zur Karrieregestaltung. Die Top Kandidaten lassen sich mehrmals durch einen Headhunter vermitteln, der ein für sie passendes Netzwerk an Unternehmen vorweisen kann. Ebenso werden Personalberater für Unternehmen strategische Partner, denn sie verfügen über ein Netzwerk an Top Kandidaten und können die Karriereentwicklung dieser auch extern aktiv vorantreiben.

Dies sind nur einige der grundlegende neue Herausforderungen für HR und Management. Erfolgreiche Unternehmen müssen sich auf die Zukunft vorbereiten.