Das Vorstellungsgespräch

 

Durch Ihren Personalberater ist der Kontakt zu einem Unternehmen hergestellt worden, welches für eine vakante Stelle eine Person mit Ihrem Profil sucht. Ihr Berater hat Ihnen bereits einige Informationen über die zu besetzende Stelle aufgezeigt, Sie haben ein Stellenprofil erhalten. Nun sind Sie zu einem ersten Gespräch eingeladen.

Um einen optimalen Eindruck beim ersten Gespräch zu hinterlassen, können Sie viel tun.
Nichtsdestotrotz: Bleiben Sie vor allen Dingen authentisch.
Wenn Sie sich im Vorstellungsgespräch verstellen, werden Sie und das Unternehmen hinterher nicht glücklich miteinander werden.


  • Bereiten Sie sich auf mögliche Fragen vor.
  • Bereiten Sie selbst Fragen an das Unternehmen vor. Beispiele finden Sie unten. Lesen Sie im Internet über das Unternehmen und die Produkte oder Dienstleistungen nach. Machen Sie sich ggf. über die Branche schlau.
  • Kleiden Sie sich angemessen. Auch im Ingenieursbereich, in dem häufig eher legere Kleidung getragen wird, wirkt ein Anzug im ersten Gespräch professioneller. Im Zweifelsfall fragen Sie bei Ihrem Berater nach.
  • Vermeiden Sie ein schweres Parfum.
  • Seien Sie ein paar Minuten früher da, planen Sie Verzögerungen auf dem Weg mit ein. Ein Zuspätkommen wirkt immer negativ.
  • Machen Sie sich klar, dass es für Nervosität wenig Grund gibt. Sie haben bereits die erste Hürde bei Ihrer Personalberatung übersprungen. Das Vorstellungsgespräch ist für beide Seiten ein Kennenlernen, auch die Personen im Unternehmen haben größtes Interesse daran, sich gut darzustellen.
  • Treten Sie professionell auf: Nehmen Sie eine aufrechte Körperhaltung an, halten Sie Blickkontakt zu allen Beteiligten, lächeln Sie hin und wieder.
  • Nehmen Sie Schreibutensilien mit und schreiben Sie einige ausgewählte Punkte mit.
  • Sprechen Sie Ihre Gespächspartner mit Namen an.
  • Bedanken Sie sich für die Einladung.
  • Hören Sie aktiv zu und halten Sie den Blickkontakt zum Sprechenden.
  • Wenn Sie selbst sprechen, nehmen Sie Blickkontakt mit allen Beteiligten auf, auch wenn jemand direkt neben Ihnen sitzt. Schauen Sie nicht nur den Fragenden oder den vermeintlichen Entscheidungsträger an.
  • Beantworten Sie die Ihnen gestellten Fragen präzise, nicht zu langatmig, aber auch nicht kurz angebunden. Stellen Sie Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen dabei in den Vordergrund. Hierbei sind messbare Tatsachen für Ihr Gegenüber oft interessanter als weiche Themen.
  • Sprechen Sie nie abfällig über Ihren früheren oder derzeitigen Arbeitgeber oder Ihre Vorgesetzten.
  • Bleiben Sie bei der Wahrheit. Was auch immer Sie vielleicht nicht erzählen wollen, weil Sie es als nachteilig erleben, es kommt früher oder später ans Licht.
  • Geben Sie keine spaßigen Antworten, z. B. "Meine größte Schwäche ist es, dass ich vergesse, den Müll rauszutragen" oder "Meine größte Schwäche sind schöne Frauen". Ihr Gegenüber muss Ihren Humor nicht teilen und fühlt sich nicht ernst genommen.
  • Antworten Sie nicht länger als 2 Minuten zu einem Thema. Vermeiden Sie Anekdoten oder zu viele Details.
  • Erwarten Sie beim ersten Gespräch kein konkretes Angebot und keine Aussage zu einem möglichen Gehalt.

Mögliche Fragen im Gespräch:


"Erzählen Sie etwas über sich selbst."

Stellen Sie Ihren beruflichen Werdegang klar dar. Lassen Sie Unwichtiges weg. Schildern Sie Projekte oder Aufgaben ausführlicher, die in das Stellenprofil des Unternehmens passen. Je weiter Sie in Ihrem Berufsleben vorangeschritten sind, desto unwichtiger werden Ihre Anfangsschritte. Lassen Sie weitschweifige Erklärungen dann weg. Legen Sie die Funktions- und Verantwortungsbereiche der letzten beiden Stellen ausführlicher dar. Gehen Sie chronologisch vor und betonen Sie Ihre jüngsten Leistungen. Sie können diesen Part gut zuhause üben. Sie haben zirka 90 Sekunden Zeit, sich darzustellen. Setzen Sie dann unmittelbar mit Ihrer Frage nach:
"Möchten Sie, dass ich einige Punkte etwas ausführlicher behandele?"


"Warum interessiert Sie unsere Stelle?"

Machen Sie deutlich, wie Sie Ihre Qualifikationen und Erfahrungen einbringen könnten. Vielleicht gibt es darüber hinaus Gründe, für dieses Unternehmen zu arbeiten (z. B. moderne Produkte, wachsende Branche, Nischenbranche, Internationalität). Andere persönliche Gründe, wie z. B. der Standort des Unternehmens oder verminderte Reisetätigkeiten, sollten Sie für sich behalten.


"Nennen Sie mir Ihre Stärken und Schwächen."

Bereiten Sie sich auf diese Frage vor. Nennen Sie Stärken, die möglichst in der neuen Position zur Geltung kommen können, und nennen Sie direkt Situationen, bei denen diese Stärken zum Ausdruck gekommen sind, z. B.: "Ich halte meine Fähigkeit zur Koordination für eine meiner Stärken. Ich koordiniere in meiner derzeitigen Position die Vertriebsmannschaft aus 12 Ländern."
Als Schwächen nennen Sie Verhaltensweisen, die nichtsdestotrotz nicht unbedingt sehr negativ gesehen werden oder von Ihnen als kontrollierbar erlebt werden.
Nennen Sie Schwächen, die bei der infrage kommenden Position nicht zu sehr zum Tragen kommen, z. B.: "Meine größte Schwäche ist meine Ungeduld. Ich komme anderen manchmal zuvor. Manchmal warte ich nicht einfach ab, dass andere meinen Standpunkt auch wirklich verstehen, sondern handele direkt."
Hier zeigen Sie zwar eine Schwäche auf, können aber im Nachsatz eine Stärke daraus machen, z. B.: "Dieses Verhalten ist mir aber immer mehr im Bewusstsein und ich lerne zu warten." Sie wirken so ein wenig ungeduldig, aber engagiert, durchsetzungsstark und handlungsfähig. Ungeduld wäre an einer Stelle mit viel koordinativen Aufgaben fehl am Platz, bei einem IT-Leiter aber ertragbar.
Nennen Sie ein Beispiel, bei dem Sie Ihre Schwäche gut in den Griff bekommen haben.


"Welches sind die wichtigsten Errungenschaften in Ihrer bisherigen Laufbahn?"

Nennen Sie hier Projekte, die für die zu besetzende Stelle relevant sind und die nicht zu weit in der Vergangenheit liegen.


"Was war Ihr größter geschäftlicher Fehler und wie sind Sie damit umgegangen?"

Wenn Sie über Ihre Fehler reden sollen, betonen Sie, was Sie gelernt haben und wie Sie Ihr Verhalten seither angepaßt haben. Nehmen Sie nicht für sich in Anspruch, fehlerlos zu sein.


"Was gefällt Ihnen an Ihrer derzeitigen Position?"

Geben Sie Beispiele, die relevant sind für die zu besetzende Stelle.


"Was würden Sie an Ihrer derzeitigen Position am liebsten verändern?"

Vorsicht! Nennen Sie hier keine unrealistischen Dinge. Sagen Sie nichts Negatives über Ihren Arbeitgeber oder über Ihren Vorgesetzten.


"Warum wollen Sie die Position wechseln?"

Geben Sie hier Gründe an, die das Positive an der neuen Stellung deutlich machen, z. B. internationale Ausrichtung, mehr Umsatzverantwortung, Mitarbeiterverantwortung. Vielleicht gibt es auch Entwicklungen in Ihrer derzeitigen Firma, die einen Wechsel bedingen könnten, z. B. ein Standortwechsel oder eine Neustrukturierung. Lassen Sie negative Motivationen außen vor, z. B. Konflikte mit Ihrem derzeitigen Vorgesetzten.


"Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?"

Nennen Sie hier realistische Ziele. Machen Sie sich Gedanken, ob der neue Arbeitgeber vielleicht Personen bervorzugen würde, die eher stetig bei dem Job bleiben, oder ob das Unternehmen noch wächst, sodass es zukünftig Chancen für eine Weiterentwicklung gibt.


"Was sagt/sagen Ihre Frau/Ihr Chef/Ihre Freunde/Ihre Mitarbeiter über Sie?"

Diese Frage zielt auf Ihre Stärken und Schwächen ab. Bereiten Sie sich ebenso vor.


"Sind Sie belastbar/flexibel/durchsetzungsstark/kreativ/kommunikativ/offen?"

Antworten Sie auf eine solche Frage nicht einsilbig mit "Ja", sondern liefern Sie direkt ein Beispiel, eine Situation, in der Sie dieses Verhalten gezeigt haben.


"Was war die größte Belastung, die Sie erlebt haben, und wie sind Sie damit umgegangen?"

Nennen Sie hier ein kniffeliges Projekt oder eine schwierige Aufgabe aus Ihrem beruflichen Umfeld, die Sie gut gemeistert haben. Erzählen Sie keine privaten Dinge.


"Wie gehen Sie mit Konflikten um?"

Natürlich wissen Sie theoretisch, was Sie hier antworten sollen. Unterfüttern Sie dies mit persönlichen Beispielen aus dem Beruf.


"Was ist Ihrer Meinung nach die schwierigste Aufgabe eines Managers?"

Beantworten Sie diese Frage nach Ihren eigenen Erfahrungen, z. B. Delegieren von Aufgaben, Planung von Projekten, Einhaltung von Zeitanforderungen, ethische Grundsätze aufrechterhalten oder sonstige relevante Themen.


"Wie sind Ihre Gehaltvorstellungen? Wann könnten Sie starten?"

Machen Sie sich im Vorfeld Gedanken zu diesen Punkten, bleiben Sie aber flexibel.


Fragen zur persönlichen Lebensgestaltung, z. B. nach Hobbys, Reisen oder Freizeitgestaltung, können kommen. Personalverantwortliche interessiert, ob Sie ein stabiles Privatleben führen.


Wenn unangebrachte Fragen gestellt werden, lassen Sie sich nicht irritieren. Sie brauchen sie nicht zu beantworten, aber es wirkt sehr ungelenk.


"Wie sieht Ihre Familienplanung aus?"

Dies ist immer noch eine Frage, die weiblichen Bewerbern gern gestellt wird, obwohl sie nicht gestellt werden darf. Anstatt aber direkt in die Konfrontation zu gehen, können Sie elegant antworten: "Ich habe derzeit dazu keine Pläne."


Fragen Ihrerseits


Das Vorstellungsgespräch ist ein gegenseitiger Austausch, der in beide Richtungen geht. Genauso wichtig wie das Beantworten der gestellten Fragen ist es, dass Sie selbst Fragen stellen. Sie werden Ihre persönlichen Qualifikationen nur in Einklang mit den Anforderungen einer Stelle bringen, wenn Sie gehaltvolle Fragen stellen und die Ihnen gestellten Fragen entsprechend beantworten können. Fragen Ihrerseits werden daher unbedingt erwartet. Mit den richtigen Fragen bekunden Sie Ihr Interesse am neuen Arbeitplatz.

Bereiten Sie also unbedingt einige Fragen vor.

  • Fragen nach der Anzahl der Urlaubstage, der Gleitzeit, der Überstundenvergütung etc. sollten Sie im ersten Gespräch nicht stellen.
  • Stellen Sie Fragen, die direkt mit der Position zu tun haben, zur Einarbeitung oder zum Unternehmen. Hier einige Beispielfragen:
  • "Wie ist das gesamte Unternehmen aufgestellt? Welche Geschäftsfelder gibt es? Wie sieht der Unternehmensaufbau aus?"
  • "Wie entwickelt sich die Branche? Wie ist die Strategie des Unternehmens in den nächsten 12 Monaten?"
  • "Welches sind die Hauptwettbewerber?"
  • "Warum ist die Stelle frei? Wurde sie neu geschaffen? Wie lange war der letzte Positionsinhaber auf dieser Stelle?"
  • "Welche Ziele werden mit der Stelle verfolgt?"
  • "Welche Befugnisse/Vollmachten hat der Stelleninhaber?"
  • "Wonach wird die Leistung des Stelleninhabers bewertet?"
  • "Was sind die schwierigsten Probleme auf der Stelle?"
  • "Welches sind die größten Herausforderungen auf dieser Position?"
  • "In welchen zeitlichen Anteilen stehen die wesentlichen Aufgaben der Position zueinander (z. B. Anteile von Beratung, Verkauf und Service)?"
  • "Wo ist die Position aufgehängt? Gibt es ein Organigramm?"
  • "Wie sieht der Führungsstil im Unternehmen aus? Gibt es Führungsleitsätze?"
  • "Bietet das Unternehmen Personalentwicklungsmaßnahmen?"
  • "Welchen Anteil haben Dienstreisen an der Tätigkeit?"
  • "Wie ist die Einarbeitung geplant?"
  • "Steht der Vorgänger zur Einarbeitung noch zur Verfügung?
  • Zum Abschluss fragen Sie nach den nächsten Schritten oder dem Zeitplan zur Stellenbesetzung.

 

Gut ist, wenn Sie das Vorstellungsgespräch im Familien- oder Freundeskreis durchspielen können. Vielleicht nehmen Sie sich einmal auf Video auf und schauen sich an, wie Sie auf einen Außenstehenden wirken.

Nun sind Sie optimal vorbereitet!